Zur Wirkungsgeschichte Immanuel Kants

Kants Werke sind ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Philosophie. Seine Nachwirkung ist vielfältig und umfangreich.

Als die Kritik der reinen Vernunft (KrV) erstmals 1781erschien (2. Auflage 1787), löste sie rasch kontroverse Debatten aus.  Christian Garve und Johann Schultz kommentierten sie positiv, Johann Hamann und F.H. Jacobi kritisierten den subjektiven Idealismus scharf. Kant wurde oft vorgeworfen, eine Spielart des Berkeleyschen Idealismus zu vertreten. Weil F.H Jacobi Kants transzendentales Ideal pantheistisch interpretierte, geriet Kant ohne eigenes Zutun in den “Pantheismusstreit”.

Kant ist der Urvater des Deutschen Idealismus. J.G. Fichte arbeitete ab 1790 seine eigene Philosophie aus, die er als Weiterführung und Vollendung von Kants Philosophie verstand. Fichte dynamisierte das Ich als Tathandlung und fokussierte auf dessen absolute Freiheit. Schelling wendete sich auf der Basis von Fichtes Ansatz der Naturphilosophie zu. Hegel ersann sich eine dialektische Wissenschaft vom Absoluten.

Bereits zu Kants Zeiten begannen sich Philosophen und Naturwissenschaftler einander zu entfremden. Das, was Philosophen wie Kant, Schelling oder Hegel, zu naturwissenschaftlichen Themen beizutragen meinten, wurde von Seiten der Naturwissenschaftler zunehmend als Anmaßung und ungebührliche Grenzüberschreitung empfunden. Der gewaltige Siegeszug der Naturwissenschaften in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verschob die Rangfolge. Viele Philosophen, darunter J.St. Mill und Auguste Comte, sahen ihre eigene Disziplin nicht mehr als Königin, sondern eher als Dienerin der Wissenschaften. In dieser Phase dominierten empiristische und materialistische Weltauffassungen.

Andererseits stürzte die deutsche Philosophie nach Hegel in eine Phase der Orientierungslosigkeit. Groß angelegte, alles umfassende metaphysisch-idealistische Systeme waren unglaubwürdig geworden. So kam es, dass man ab den 1860er-Jahren sich wieder auf Kant zurückbesinnte und Fichte, Schelling, Hegel als Irrwege verstand. Otto Liebmanns Maxime “Zurück zu Kant!” war einerseits gegen Empirismus und Materialismus gerichtet, andererseits aber auch gegen eine überbordende idealistische Spekulation. Der Neukantianer Hermann Cohen betonte logische Methoden in der Wissenschaftstheorie, Paul Natorp und Ernst Cassirer erweiterten Kants Grundgedanken auf Kulturphilosophie. Die Neukantianer Wilhelm Windelband und Heinrich Rickert entwarfen eine wertbasierte Geschichtsphilosophie.

Auch Edmund Husserl war stark durch Kant beeinflusst. Bertrand Russell, Rudolf Carnap und andere analytische Philosophen anerkannten Kant als wegweisenden Denker. Kants kategorischer Imperativ inspirierte moderne Ethiker wie beispielsweise John Rawls. Man kann sogar eine Verbindung sehen von Kants Zum ewigen Frieden (1795) zu modernem Völkerrecht, der UNO und der EU​.

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