Das cartesische Projekt – Einleitung

Jeder philosophisch ungebildete Mensch hält es für selbstverständlich, dass die Welt unabhängig von ihm existiert. Der Apfel, den ich gerade gekauft habe, wuchs heran, wurde geerntet, war in dem Laden, lange bevor ich ihn wahrgenommen habe. Wenn ich ihn zuhause in die Obstschale lege, dann wird er dort liegen, auch wenn ich die Wohnung verlasse und nicht mehr an ihn denke. Warum sollte er auch in dem Moment auftauchen oder verschwinden, je nachdem ob ich ihm Aufmerksamkeit zuwende oder nicht? Und wenn jemand anderes diesen Apfel sieht, dann wird er derselbe Apfel sein, den auch ich gesehen habe. So denkt man als gewöhnlicher, „normaler“ Mensch. Man glaubt an eine objektive Wirklichkeit, die im Wesentlichen für uns alle gleich ist und die existiert, egal ob ich sie wahrnehme oder an sie denke. Diese Position des sog. gesunden Menschenverstandes wird auch „naiver Realismus“ genannt.

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