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STI – Dritte Epoche der theoret. Philosophie: Begriff und transz. Abstraktion

1. Oktober 2026/0 Kommentare/in III. Das cartesische Projekt, III.08 Schelling/von peterreins

Nachfolgend bespreche ich die sog. Dritte Epoche von Schellings theoretischer Philosophie aus seinem System des transzendentalen Idealismus (STI).

Der Titel lautet: Der absolute Willensakt. Darin behandelt er den Begriff, das Urteil, die transzendentale Abstraktion.

Ich denke: Ich10, das sich mittels Begriffen von der objektiven Welt distanziert

Der Begriff

Ich als Philosoph konnte in den zurückliegenden Betrachtungen sehen, wie sich das Ich als Objekt der philosophischen Untersuchung gewandelt hat und in dieser Wandlung nach und nach ein ganzes Universum hervorgebracht hat, zunächst als zeitlose absolute Synthesis, dann auch als zeitliche Entwicklung. Bislang hat sich das Ich-Objekt gewissermaßen in seinen Produkten verloren und ist nicht zum Bewusstsein seiner selbst gekommen. Dazu muss es sich erst von seinen Produkten distanzieren bzw. absondern. Das wiederum geschieht durch einen Akt der Abstraktion.

Das jetzt zu konstruierende Ich10 sondert sich von dem ab, was es selbst unbewusst produziert hat, und zwar indem ihm der Begriff entsteht mittels Abstraktion von dem Produzierten. Nun hat Schelling eine besondere Vorstellung davon, was ein Begriff ist:

„Der Begriff [ist] die Handlungsweise, wodurch das Objekt der Anschauung entsteht, oder Regel, nach welcher das Objekt überhaupt konstruiert wird […]“[1]

Das heißt: Der Begriff ist nach Schelling eine Art Bauanleitung für ein Ding. Beispielsweise ist der Begriff des Menschen die Anweisung, wie ein Mensch tatsächlich entsteht, wir würden heute vielleicht sagen: sein genetischer Code. Philosophiegeschichtlich erinnert diese Definition des Begriffs an das aristotelische Wesen: die ousia oder das ti en einai (zu deutsch etwa: das Sein, das es war).

„Das Objekt ist dieses bestimmte, weil ich auf diese bestimmte Art gehandelt habe, aber diese bestimmte Handlungsweise eben ist der Begriff, das Objekt ist also bestimmt durch den Begriff; mithin geht ursprünglich der Begriff dem Objekt voran, zwar nicht der Zeit, wohl aber dem Rang nach.“[2]

In jedem Fall stimmt nach Schelling der abstrahierte Begriff mit dem ursprünglichen Wesenskern des Objekts überein.

Die Handlung, durch die der Begriff vom Objekt getrennt wird, nennt Schelling Urteil. Das Schema für das Urteil ist: S ist P. Nach Schelling steht dabei „S“ für das angeschaute Objekt und „P“ für den abstrahierten Begriff. Durch das Urteil würden Anschauung und Begriff aufeinander bezogen werden.

Dem entsprechen sind Anschauung und Begriff normalerweise aufeinander bezogen. Was hat man aber, wenn man sie konsequent voneinander trennt? Was ist die begriffslose Anschauung? Was sind anschauungslose Begriffe?

Die begrifflose Anschauung ist der Raum

Wird die Anschauung völlig unbestimmt, absolut begriffslos, so bleibt von ihr nichts mehr übrig als das allgemeine Anschauen selbst, und das ist nach Schelling der Raum. Der Raum ist das begrifflose Anschauen.

Die anschauungslosen Begriffe sind die Kategorien

Trennt man hingegen jegliche Anschauung von den Begriffen, dann erkennt man die Kategorien. Diese Form der Abstraktion nennt Schelling transzendentale Abstraktion. Schelling nennt diese Form der Abstraktion auch das Vermögen der Begriffe a priori. Die Kategorien sind anschauungslose Begriffe, reine Bestimmtheiten, rein logische Begriffe. Die Kategorien sind Handlungsweisen, durch die uns erst Objekte überhaupt entstehen. Schelling glaubt, Kants Kategorientafel auf die drei Kategorien der Relation reduzieren zu können: Substanzialität, Kausalität und Wechselwirkung. Die transzendentale Abstraktion ist die Bedingung des Urteils, aber nicht das Urteil selbst. Sie erklärt, wie die Intelligenz dazu kommt ein Objekt (d.h. eine Anschauung) von seinem Begriff zu trennen.

Empirische und transzendentale Schemata

Anschließend erklärt Schelling das sog. empirische Schema. Dabei soll es sich um die sinnlich angeschaute Regel handeln, wonach ein Gegenstand empirisch hervorgebracht werden kann. Geht man noch eine Abstraktionsstufe weiter, dann ist das transzendentale Schema die sinnliche Anschauung der Regel, nach der ein Objekt überhaupt hervorgebracht werden kann. Bezogen auf die Kategorien handelt es sich um zeitliche Schemata[3] Die Zeit überhaupt ist das transzendentale Schema. Das Schema vermittelt zwischen Anschauung und reiner Kategorie. Substanzialität entspricht dem zeitlichen Beharren, Kausalität entspricht der zeitlichen Nachfolge, Wechselwirkung entspricht der Gleichzeitigkeit.

Ich denke: Ich11, das sich mittels einer absoluten Abstraktion selbst erkennen soll

Nach Schelling ist die transzendentale Abstraktion die Bedingung für die empirische Abstraktion, und diese ist die Bedingung für das Urteil. Jedem Urteil liegt also sowohl eine empirische, als auch eine transzendentale Abstraktion zugrunde. Dass aber die transzendentale Abstraktion die Bedingung des Urteils ist, ist für mich als Philosophen klar, nicht aber dem Ich10.

Solange sich das Ich-Objekt nicht der transzendentalen Abstraktion bewusst ist, ist es bloß gemeines, oder empirisches Bewusstsein. Erst wenn das Ich so konstruiert wird, dass es sich der transzendentalen Abstraktion bewusst wird, erhebt sich das Ich in einem Akt absoluter Freiheit über das Objektive und erkennt sich selbst als Intelligenz, nennen wir es Ich11. Damit reißt die Kette der theoretischen Philosophie ab, und man gelangt in die praktische Philosophie mit der Forderung:

Es soll eine solche freie Handlung der Intelligenz sein[4].

Es wird gefordert, dass die Intelligenz sich durch eine absolute Handlung über alles Objektive erheben soll. Dann erkennt sich die Intelligenz als begrenzt durch die produktive Anschauung, d.h. als begrenzt durch die objektive Welt. Anders formuliert: Die Intelligenz erkennt sich dann als völlig frei von der Bestimmung durch das Objektive. Und damit stehen sich Intelligenz und objektive Welt, insofern das Ich11 ist, erstmals einander gegenüber, so wie es auch für das philosophische Ich ist. Beide kommen durch einen Akt absoluter Freiheit zur Existenz.

[1] I/3, 509

[2] I/3, 511 f.

[3][3] I/3, 516

[4] I/3, 524

0 0 peterreins peterreins2026-10-01 15:31:452026-10-01 15:31:45STI – Dritte Epoche der theoret. Philosophie: Begriff und transz. Abstraktion
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