Locke: Sprachmissbrauch und was man dagegen tun kann
Angeblich war der Anlass für Locke, den Essay zu verfassen, das Erlebnis einer unfruchtbaren Diskussion mit Freunden sowie die Tatsache, dass es in der Philosophie ständig zu endlosen Streitigkeiten sind, die letztlich den Charakter von bloßen Wortgefechten haben.
Locke führt diesen Missstand auf eine fehlerhafte Verwendung der Sprache zurück. Und seine Erörterungen haben unter anderem den Zweck darzulegen, wie man ein Fundament legen kann für zielführende und sinnvolle Gespräche. Im Kapitel X des dritten Buches zählt er die typischen Fehler bei der Verwendung der Sprache auf.
Ein großer Fehler besteht darin, Wörter inhaltsleer und ohne jegliche Bedeutung zu verwenden. In unserer Modellsprache wäre das so, als würde ein Wort M benutzt wird, das sich auf gar keine Idee bezieht, sozusagen auf die leere Zusammenfassung \(\langle\Box \rangle\). Ein anderer Fehler ist, Wörter mit schwankender, unklarer Bedeutung zu benutzen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn M einmal \(\langle [e_3], [e_{20}], [e_{41}] \rangle\) bedeuten soll, ein andermal \(\langle [e_3], [e_{20}] \rangle\) und schließlich noch \(\langle [e_3], [e_{20}], [e_{55}] \rangle\).
Das Heilmittel gegen einen solchen Missbrauch beseht in zwei Schritten. Erstens sollte man zu einem fraglichen Ausdruck M sinnlich wahrnehmbare, einfache Ideen finden, die M charakterisieren. Zweitens sollte man M eindeutig und klar definieren. Beispielsweise durch: „Def.: \(M\) ist \( N_3, N_{20}, N_{41}\)“.
Hat man auf diese Weise jedes Wort geklärt, dann kann es keine Streitigkeiten mehr geben, denn jede wirkliche Erkenntnis ist nach Locke entweder
- eine unmittelbare, sinnliche Wahrnehmung oder
- liegt einfach (tautologisch) in der Definition jedes Begriffs, oder
- stellt sich ein, indem man sich eine vollständige und klare Vorstellung von der fraglichen Sache macht.

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