Hume und das Problem der Objektivität
In meinem letzten Beitrag habe ich bereits versucht aufzuzeigen, wie sehr Hume letztlich von Descartes abhängt und seinem Versuch, die objektive Wirklichkeit auf das subjektive Erkennen zurückzuführen. In diesem Beitrag, zeige ich, wie Hume dabei konkret argumentiert hat.
Im vierten Teil von THN-I stellt sich Hume zwei Fragen[1]:
(1) Warum glauben Menschen, dass Dinge dauerhaft existieren, auch wenn sie den Sinnen nicht gegenwärtig sind?
(2) Warum glauben Menschen, dass die Dinge unabhängig vom menschlichen Erkennen existieren?
Zunächst muss man konstatieren, und Hume tut das auch, dass man unwillkürlich genötigt ist, an die dauerhafte und unabhängige Existenz der Dinge zu glauben. Sofern man jedenfalls ein normales Leben führt. Hume spricht von einem „blinden und mächtigen Naturinstinkt“, aufgrund dessen die Menschen „annehmen, die von den Sinnen vor sie hingestellten Bilder selbst seien die äußeren Gegenstände“[2]. Und er schreibt weiter:
„[Die Menschen] glauben, daß dieser Tisch selbst, den wir als weiß sehen und als hart empfinden, unabhängig von unserer Auffassung existiert und etwas außerhalb unseres Geistes ist, der ihn auffaßt. Unsere Gegenwart verleiht ihm nicht das Dasein, unsere Abwesenheit vernichtet ihn nicht. Er behält seine gleichförmige und vollkommene Existenz, unabhängig von der Stellung vernünftiger Wesen, die ihn auffassen oder betrachten.“
Dies sei zweifellos die „allgemeine und ursprüngliche Meinung aller Menschen“, zu der uns unserer Naturinstinkt unwillkürlich treibt, sofern wir handelnd am praktischen Leben teilhaben.
Für die beiden oben genannten Fragen hat man normalerweise kein Verständnis. Dazu muss man erst die Perspektive wechseln, nämlich zu der der theoretischen, skeptischen Philosophie, die im Widerspruch zur praktischen Lebensführung steht und deswegen den meisten unzugänglich ist[3].Enthält man sich nämlich des gewöhnlichen Naturinstinktes und denkt darüber nach, was wir tatsächlich wissen und was nicht, dann würde man feststellen, dass sich jeder von uns eigentlich nur seiner subjektiven Bewusstseinserlebnisse gewiss sein kann. Hume schreibt:
„Alle Vorgänge im Geiste […] sind uns doch eben nur durch das Bewußtsein bekannt, sie müssen daher notwendigerweise in jeder Hinsicht als das erscheinen, was sie sind, und das sein, als was sie erscheinen. Alles, was ins Bewußtsein tritt, ist tatsächlich eine Perzeption, es kann darum nicht als etwas anderes von uns unmittelbar erlebt werden.“[4]
Und kurz vor dieser Textstelle spezifiziert Hume das, was er unter „alle Vorgänge im Geiste“ versteht, nämlich „alle Eindrücke, äußere und innere, unsere Affekte, Neigungen, Sinnesempfindungen, unsere Lust und Unlust“. Immer wieder betont Hume, dass uns, vom philosophischen Standpunkt aus nichts anderes gegeben ist, als unsere subjektiven Perzeptionen:
„Die Philosophie lehrt, daß alles, was sich im Geiste darstellt, lediglich eine Perzeption […] ist, während die Menge Wahrnehmungen und Gegenstände identifiziert […].“[5]
Dieser wahrhaft philosophische Standpunkt, der im Widerspruch zu dem natürlichen Naturinstinkt steht, ist letztlich derselbe, den Descartes am Ende seines Zweifle-an-Allem-Experiment einnimmt. Und erst von diesem Standpunkt aus machen die beiden oben genannten Fragen Sinn. Descartes beantwortet diese Fragen bekanntlich mit einem Umweg über seinen Gottesbeweis, samt der Annahme, dass ein vollkommener Gott kein Betrüger sein könne, so dass all das, was uns klar und deutlich ist, auch so sein muss. Da es uns aber klar und deutlich ist, dass Dinge dauerhaft und unabhängig von uns existieren, wird es folglich auch so sein. Diese Schlussweise konnte bereits Locke nicht nachvollziehen. Locke, als auch Hume, lehnen es ab, die dauerhafte und unabhängige Existenz der Außenwelt mittels eines umständlichen rationalen Schlusses aus obersten, angeblich angeborenen Prinzipien zu erschließen. Sie wollen vielmehr aus den subjektiven Perzeptionen heraus erklären, wie wir Menschen zu der Annahme einer objektiven Außenwelt gelangen.
In einem weiteren Punkt ist Hume konsequenter als Descartes. Bekanntlich glaubte Descartes aus den mannigfaltigen subjektiven Bewusstseinserlebnissen erschließen zu dürfen, dass das Ich eine Substanz sei. Diesem Glauben entspricht aber keine unmittelbare Wahrnehmung, so wie man das Rot eines Gegenstands wahrnimmt. Wenn es aber nur die subjektiven Bewusstseinserlebnisse sind, deren ich mir wahrhaft gewiss sein kann, dann gehört auch die Annahme, dass das Ich eine Substanz ist, zu den anzweifelbaren Glaubenssätzen, die alles andere als gewiss sind. Hume hingegen lehnt es ab, darüber hinauszugehen, was wahrhaft gewiss ist. Somit ist für ihn folgerichtig der menschliche Geist
„[…] nichts als ein Haufen oder ein Zusammen von verschiedenen Perzeptionen, das durch gewisse Beziehungen verbunden ist und von dem man, ob zwar fälschlich, annimmt, daß es sich einer vollkommenen Einfachheit und Identität erfreue.“[6]
Wenn es aber unzweifelhaft ist, dass uns faktisch nichts anderes vorliegt als unsere subjektiven Perzeptionen: Wie ist es zu erklären, dass wir normalerweise glauben, dass die Dinge dauerhaft und von uns unabhängig existieren? Wie kommt es, dass wir unwillkürlich an die Existenz einer objektiv bestehenden Außenwelt glauben? Um diese Fragen zu beantworten, lehnt es Hume, wie gesagt, ab, sich auf allgemeine rationale Prinzipien zu beziehen, aus denen die Antworten deduktiv erschlossen werden. Er setzt es sich zur Aufgabe, diese Fragen alleine anhand der Perzeptionen zu erklären. Und das macht er, indem er (1) eine psychologische Erklärung und (2) notwendige Bedingungen dafür angibt.
Übrigens liegt hier genau die Trennungslinie zwischen den Empiristen und den Rationalisten. Beide gehen in der Nachfolge Descartes von dem cogito ergo sum aus. Die Rationalisten glauben aber noch zusätzlich an angeborene oberste Prinzipien, deren notwendige Wahrheit man durch Vernunfteinsicht erkennen könne. Und diese würde man neben dem Ich mit seinen absolut gewissen Bewusstseinserlebnissen benötigen, um die objektive Welt, sowie die Wissenschaft zu begründen. Die Empiristen haben weitestgehend denselben Ausgangspunkt und dasselbe Anliegen wie die Rationalisten, nur mit Unterschied, dass sie angeborene oberste Prinzipien ablehnen.
(1) Psychologische Erklärung
Hume gibt im Traktat über die menschliche Natur eine psychologische Erklärung, wie sich der Geist eine dauerhafte und gesonderte Existenz der Dinge erdichtet[7]. Und dazu beginnt er zunächst mit der ersten Frage: Warum glauben wir so fest an eine dauerhafte Existenz der Dinge? Humes Antwort gliedert sich in vier Schritte[8].
(1a) Das einzelne singuläre Aufblitzen eines Bildes ist zu wenig um einen Gegenstand zu erkennen. Einen Gegenstand erkennen, heißt, ihn als ihn selbst identifizieren. Dazu bedarf es nach Hume mindestens zweier Perzeptionen. Es gibt aber niemals zwei vollkommen identische Perzeptionen. Der Geist ist also in der widersprüchlichen Lage, zwei Wahrnehmungen miteinander identifizieren zu wollen, die nicht identisch sind. Um diesen Widerspruch aufzulösen, muss der Geist Zuflucht zur Zeit nehmen. Die zwei (oder mehr) Perzeptionen sind nicht gleichzeitig, was ein untragbarer Widerspruch wäre, sondern im Zeitverlauf verteilt. Also P1 zum Zeitpunkt t1, P2 zum Zeitpunkt t2. Der Geist erkennt zwar, dass beide Perzeptionen verschieden sind, er schafft sich aber die Fiktion eines identischen Gegenstandes, der sich nur in der Zeit verändert.
(1b) Obwohl es dem Geist eigentlich klar sein sollte, dass die zwei (oder mehr) Perzeptionen nicht identisch sind, setzt er sie dennoch fiktiv als identisch. Hume beantwortet als nächstes, wie es zu dieser Fiktion kommt. Und zwar liegt dem gewissermaßen die Faulheit des Geistes zugrunde. Der Geist „leistet nur so viel Arbeit, als erforderlich ist“. So kommt es, dass er die eigentlich verschiedenen Perzeptionen miteinander assoziiert, indem er Ähnlichkeiten zwischen ihnen sieht.[9] Auf diese Weise wird der sukzessive Übergang von einer Perzeption zu nächsten für den Geist leichter. Und schließlich kommt es zur Fiktion der Identität. Hume schreibt:
„Unser Vorstellen gleitet an dieser Aufeinanderfolge mit gleicher Leichtigkeit entlang, als wenn es nur auf einen Gegenstand gerichtet wäre; darum verwechselt es die Aufeinanderfolge mit Identität.“
Anzumerken ist, dass dieser Teil von Humes Theorie, wenn man so will, psychologisch ist. Die Fiktion der Identität geht zurück auf die Bequemlichkeit bzw. Faulheit des Geistes.
(1c) Auch den dritten Teil seiner Argumentation könnte man psychologisch nennen. Denn Hume verweist darauf, dass Widersprüchliches für uns unbehaglich ist. Wenn hingegen Dinge miteinander im Einklang sind, bereitet uns das Vergnügen. Dem Geist müsste eigentlich bewusst sein, dass die zwei Perzeptionen verschieden sind, dennoch neigt er zu der Fiktion, sie seien identisch, einfach deswegen, weil sie angenehm ist.
(1d) Schließlich will Hume erklären, warum wir an die Fiktion der Identität so fest glauben. Auch dafür gibt er im Grunde eine psychologische Erklärung. Im Allgemeinen behauptet Hume nämlich, dass wir umso mehr an Vorstellungen glauben, je lebhafter sie sind. Und wenn wir zwei Perzeptionen miteinander identifizieren, eine frühere P1 und eine gegenwärtige P2, dann ist P1 zwar vergangen, der Geist erinnert sich aber noch sehr lebhaft daran. Und weil die Erinnerung an P1 so lebhaft ist, würde dadurch der Glauben an die fiktive Identität unterstützt werden.
Nun zur zweiten Frage: Warum glauben Menschen, dass die Dinge unabhängig vom menschlichen Erkennen existieren? Hume beantwortet diese Frage ohne große Umschweife wie folgt[10]:
„Wenn die Gegenstände unserer Sinne fortfahren zu bestehen, auch während sie nicht wahrgenommen werden, so ist ihre Existenz natürlich eine von der Wahrnehmung unabhängige und gesonderte […].“
Somit folgt der Glaube an die unabhängige Existenz der Dinge direkt aus dem Glauben an deren dauerhafte Existenz.
(2) Notwendige Bedingungen für die Existenz einer objektiven Außenwelt
Außerdem beschäftigt sich Hume damit, welche notwendige Bedingungen dem Glauben an eine dauerhafte und gesonderte Existenz der Dinge zugrunde liegen[11].
Zunächst ein paar Worte zum logischen Begriff einer notwendigen Bedingung. Wenn B aus A folgt (A->B), dann heißt B eine „notwendige Bedingung“ für A. Das bedeutet insbesondere: Wenn B nicht wahr ist, dann kann auch A nicht wahr sein. Und genau auf diese Weise zeigt man häufig, dass B eine notwendige Bedingung für A ist. Man nimmt an, dass B nicht gilt und legt dar, dass dann auch A unmöglich gelten kann. Deswegen kann man auch B als „Bedingung der Möglichkeit“ für A nennen, wie es Kant tun wird. Tatsächlich stellt sich Hume in THN genau dieselbe Frage wie es später Kant: Was ist die Bedingung der Möglichkeit dafür, dass wir überhaupt von einer objektiven Außenwelt sprechen können? Humes Antwort lautet: Die notwendige Bedingung (d.i. Bedingung der Möglichkeit) für den Glauben an eine dauerhafte und gesonderte Existenz der Dinge sind a) Beständigkeit und b) kausale Kohärenz.
(2a) Bezogen auf die Beständigkeit schreibt Hume:
„Jene Berge, Häuser, Bäume, die sich jetzt eben meinen Blicken zeigen, sind mir stets in derselben Ordnung entgegengetreten, und wenn ich die Augen schließe oder den Kopf wende und sie dadurch aus dem Gesicht verliere, so sehe ich so gleich darauf ohne die geringste Veränderung von neuem vor mir. Mein Bett, mein Tisch, meine Bücher und meine Papiere zeigen dieselbe Gleichförmigkeit des Daseins; sie ändern sich nicht, wenn die Tätigkeit des Sehens oder Wahrnehmens eine Unterbrechung erleidet.“
Eine notwendige Bedingung also, dass ich die Fiktion äußerer Gegenstände aufrechterhalte, ist, dass die zugehörigen Perzeptionen eine gewisse Beständigkeit haben. Nehmen wir beispielsweise an, ich würde das Buch vor mir für ein paar Sekunden sehen, so dass ich es für einen Gegenstand der äußeren Welt halte. Danach aber wäre es mit einem Mal verschwunden, es hätte sich wie in Luft aufgelöst. Dann würde ich es für eine subjektive Einbildung halten, für eine Illusion, die mich eine kurze Zeitlang in die Irre geführt hat. Nur dadurch, dass meine Buch-Perzeptionen eine gewisse Beständigkeit aufweisen, kann ich an der Fiktion festhalten, dass diesen Perzeptionen ein dauerhaftes und gesondertes Objekt, eben das Buch, zugrunde liegt.
Tatsächlich gibt es Perzeptionen, die die Bedingung der Beständigkeit nicht erfüllen, nämlich Lust- und Unlustgefühle. Zunächst betont Hume, dass solche Gefühle, logisch betrachtet, genauso bloße Bewusstseinserlebnisse sind, wie die Wahrnehmung der körperlichen Gestalt eines Dinges. Ein klarer Unterschied besteht aber darin, dass wir gewöhnlich die Gestalt als eine objektive Eigenschaft eines unabhängig von uns existierenden Dinges auffassen, aber niemals z.B. bei einem Lustgefühl meinen, dass es unabhängig von uns bestehen könnte. Hume meint, dass dieser Unterschied genau darauf beruhen würde, dass das Lustgefühl auf solche Weise entsteht und wieder verschwindet, dass ihm die Beständigkeit fehlt. Deswegen würden wir es als ein bloß subjektives Gefühl ansehen, ohne für sich unabhängig von uns sein zu können. Die Gestalt ist zwar auch nichts weiter als eine Reihe von rein subjektiven Bewusstseinserlebnisse, die eigentlich auf derselben Stufe wie die Lustgefühle stehen, aber sie sind beständig, und deswegen erdichtet unser Geist ein zugrundeliegendes Ding, das vermeintlich unabhängig von uns existiert.
(2b) Bezogen auf die kausale Kohärenz schreibt Hume:
„Immerhin ist die Beständigkeit auch bei jenen Eindrücken nicht so vollkommen, daß sich nicht sehr wesentliche Ausnahmen fänden. Körper wechseln ihren Ort und ihre Eigenschaften und sind vielleicht, nachdem sie der Wahrnehmung kurze Zeit entzogen waren, kaum wiederzuerkennen. Bei allen diesen Veränderungen besteht dann aber für unser Bewußtsein eine Kohärenz der Eindrücke, ein gesetzmäßiges Abhängigkeitsverhältnis der Wahrnehmungsobjekte untereinander, so daß die Objekte uns eine Art von kausalen Schlüssen von dem einen auf das andere gestatten. […] Wenn ich nach einer einstündigen Abwesenheit in mein Zimmer zurückkehre, so finde ich mein Feuer freilich nicht in der Verfassung, in der es sich befand […]; aber ich bin gewöhnt, in anderen Fällen eine gleiche Veränderung in gleicher Zeit vor sich gehen zu sehen; gleichgültig, ob ich anwesend oder abwesend, nah oder fern war.“
Das heißt: Eine notwendige Bedingung für die Annahme einer von mir unabhängigen Außenwelt, ist, dass ich verschiedene Perzeptionen kohärent kausal verknüpfen kann. Ich höre das Geräusch, das meine Tür beim Öffnen macht, und dabei erinnere ich mich an die vielen Male, bei denen dieses Geräusch mit dem Eintreten einer Person verbunden war; also nehme ich an, dass gerade jemand das Zimmer betreten hat. Drehe ich mich nun um und sehe niemanden, dann denke ich vielleicht, dass ich mir das Geräusch nur eingebildet habe. Oder sehe ich, wie eine Billardkugel eine andere Kugel trifft, beide aber abrupt stehen bleiben, dann würde ich zunächst überprüfen, ob die zweite Kugel überhaupt rollen kann. Falls das nicht der Fall ist, würde ich vielleicht meine Beobachtung anzweifeln und annehmen, dass ich das Geräusch bzw. den Aufprall nur phantasiert habe.
Bemerkenswerterweise nehmen Humes Antworten bis zu einem gewissen Grad Kants Philosophie vorweg. Denn auch Kant wird später meinen, dass die Beständigkeit in Form von Substanzen, als auch die Kausalität notwendige Bedingungen dafür sind, was Kant „die Welt der Erscheinungen“ nennen wird. Allerdings wird Kant daneben noch andere derartige Bedingungen kennen, die er allesamt Kategorien oder reine Verstandesbegriffe nennen wird. Der Hauptunterschied zwischen Hume und Kant ist aber, dass Kant diese reinen Verstandesbegriffe notwendigerweise in der menschlichen Subjektivität verankert sieht. Hume hingegen erklärt sich sowohl den Glauben an dauerhafte, gesonderte Dinge als auch die Kausalität psychologisch durch eine gewisse Trägheit des Geistes oder schlicht durch Gewohnheit. Das menschliche Denken funktioniert zwar so, aber Hume sieht darin keinerlei Notwendigkeit.
In der Konsequenz gelangt Kant zu seiner „Welt der Erscheinungen“, die natürlich nicht mit den Dingen an sich zusammenfällt, aber durchaus einen objektiven Charakter hat. Dazu im Gegensatz bleibt Hume skeptisch und er enthält sich des Urteils. Die Außenwelt, so wie wir sie mit ihren Beständigkeiten und Kausalitäten vermeinen, könnte möglicherweise tatsächlich existieren oder eine bloße subjektive Fiktion sein.
Als weitere Konsequenz ergibt sich, dass Kant die mathematische Naturwissenschaft für echtes Wissen hält, wenngleich nur von der Erscheinungswelt. Für Hume hingegen ist alleine die Mathematik eine strenge Wissenschaft, nicht aber die Physik. Denn aus seiner Analyse der Kausalität folgt, das die Induktion kein rational zu rechtfertigendes Verfahren ist.
Kants Philosophie ist sehr interessant, aber unterm Strich macht er immer wieder große logische Sprünge, die er – ob bewusst oder unbewusst sei dahingestellt – durch seine verklausulierte Sprache zu übertünchen versucht. Hume hingegen ist messerscharf logisch. Seine skeptische Philosophie halte ich für einen der konsequentesten Versuche, das cartesische Projekt zu Ende zu denken.
[1] THN-I, 4.2, S. 236.
[2] EHU 12.1, S. 166,
[3] EHU 1, S. 6.
[4] THN-I, 4,2, S. 239.
[5] THN-I, 4,2, S. 242.
[6] THN-I, 4.2, S. 258.
[7] THN-I, 4.2 S. 249 ff.
[8] THN-I 4.2, S. 250 ff.
[9] Siehe auch THN-I 1.5, S. 25 f.
[10] THN-I 4.2, S. 236.
[11] THN-I, 4.2 S. 244 ff.

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