George Berkeley
Im grundsätzlichen Ansatz folgte Berkeley seinem Vorgänger John Locke, in vielen Punkten unterschied er sich aber deutlich von ihm.
George Berkeley (1685-1753) veröffentlichte unter anderem:
- An essay towards a new theory of vision (1709), dt. Versuch zu einer neuen Theorie des Sehens
- A treatise concerning the principles or human knowledge (1710), dt. Eine Abhandlung über die Prinzipien der menschlichen Erkenntnis, nachfolgend kurz „P“.
- Three dialogues between Hylas and Philonous (1713), dt. Drei Dialoge zwischen Hylas und Philonous.
- Alciphron or the minute philosopher (1732), dt. Alciphron oder der Kleine Philosoph.
Außerdem verfasste Berkeley fast neunhundert philosophische Notizen zwischen 1707 und 1709, die aber erst 1871 veröffentlicht wurden als
- Philosophical Commentaries (1871), dt. Das philosophische Tagebuch, nachfolgend kurz „PhT“
Ab 1734 ist er Bischof der anglikanischen Kirche von Irland in Cloyne.
Berkeleys Theorie des Sehens
Berkeleys erstes Buch, in dem er das Sehen wahrnehmungspsychologisch analysiert, war ein großer Erfolg. Seine Theorie des Sehens war etwa zweihundert Jahre lang dominierend. Berkeley behauptet, dass die Daten des Gesichtssinnes eine zweidimensionale Mannigfaltigkeit bilden. Das visuelle Feld würde sich flächig aus farbigen Linien und Punkten zusammensetzen. Die dritte Dimension des Raumes käme erst durch den Tastsinn. Erst durch das Tasten würde man ein Gefühl dafür bekommen, wie weit das gesehene Objekt entfernt ist. Der heranwachsende Mensch würde nach und nach den Zusammenhang zwischen den visuellen Daten und der ertasteten Entfernung lernen.
Anknüpfung an Locke
In vielerlei Hinsicht knüpft Berkeley an Locke an. Wie Locke, lehnt auch Berkeley angeborene Ideen an, bzw. allgemeine Prinzipien, die man unabhängig von der Erfahrung durch bloße Vernunfteinsicht als wahr erkennen kann. Auch für Berkeley ist das einzige, dessen man sich wahrhaft gewiss sein kann, die jeweils eigenen subjektiven Ideen. Allerdings lehnt Berkeley die Annahme abstrakter Ideen ab. Nach Berkeley ist es so, dass uns die Sprache dazu verleitet, abstrakte Ideen anzunehmen. Wir haben ein Wort wie z.B. „Kreis“ und glauben, diesem Wort eine einheitliche Idee unterlegen zu können. Da diese vermeintliche Idee für alle konkreten Kreise passen muss, gelangt man so zu der Annahme abstrakter Ideen. Berkeley aber meint, dass so etwas wie abstrakte Ideen unmöglich sind. Vielmehr seien alle Ideen immer konkret. Das könne man z.B. an geometrischen Beweisen sehen. Denn kein geometrischer Beweis geht von abstrakten Figuren aus, sondern es werden immer konkrete Figuren gezeichnet. Ein geometrischer Beweis wird nur dadurch allgemeingültig, dass eine konkrete Eigenschaft der konrket gezeichneten Figur nicht für den Beweis benötigt wird. Beispielsweise ist es für den Beweis, dass die Winkelsumme jedes Dreiecks gleich 180° ist, unabhängig davon, ob man den Beweis an einem spitzen, gleichschenkligen oder rechtwinkligen Dreieck ausführt.
Berkeley führt aber eine neue Unterscheidung ein, die es bei Locke nicht gibt. Berkeley unterscheidet je nachdem, wie stark und lebendig eine Idee ist. Besonders starke und lebendige Ideen lassen uns vermuten, dass sie von materiellen Dingen verursacht werden. Schwach hingegen sind bloße Erinnerungen oder imaginierte Vorstellungen.
In einem Punkt ist Berkeley viel konsequenter als Locke. Während Locke in seinen Analysen zwischen erster und dritter Person schwankt, bleibt Berkeley immer in der ersten Person. Dementsprechend lehnt Berkeley auch Lockes physikalische Theorie der Wahrnehmung ab.

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