David Hume: Über Existenz und Kausalität

David Hume (1711-1776) war ein schottischer Historiker, Ökonom und Philosoph.

Zu seinen wichtigsten philosophischen Werken zählen

  • A Treatise of Human Nature 1-3 (1739–1740), dt. Traktat über die menschliche Natur, nachfolgend kurz „THN“
  • An Enquiry Concerning Human Understanding (1748), dt. Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand, nachfolgend kurz „EHU“.

Ohne Zweifel hatte Hume großen Einfluss auf Kant. Und gerade aufgrund seiner logisch messerscharfen Analysen wurde er auch von den Vertretern der analytischen Philosophie des 20. Jahrhunderts hoch geschätzt. Beispiele dafür sind seine Gedanken zur Kausalität, sowie zur Frage, ob Existenz eine Eigenschaft ist oder nicht.

Existenz ist keine Eigenschaft

Bis in die frühe Neuzeit meinten Philosophen, dass die Existenz eine Eigenschaft sei, die ein Gegenstand haben kann oder auch nicht, ähnlich wie er rot sein kann oder auch nicht. Die Auffassung von Existenz als Eigenschaft ist die Grundlage des ontologischen Gottesbeweises. Hume aber stellt klar[1]: Stelle ich mir einen Gegenstand vor, z.B. einen weißen Raben, dann bleibt diese Vorstellung dieselbe, egal ob ich mir den Gegenstand existierend oder nicht-existierend denke. Man könnte es sich auch so klar machen. Mit einem sprachlichen Ausdruck wie „der weiße Rabe“ wird ein Bild entworfen. Aber dieses Bild verändert sich nicht, egal ob das, was es darstellt, existiert oder nicht.

Kausalität

In THN-I, 3.2-3.9, als auch in EHU 4 analysiert Hume die Kausalität. Seine Argumentation kann man in vier Punkten zusammenfassen.

(1) Dass eine Ursache A eine bestimmte Wirkung B hat, ist nicht durch eine rationale Einsicht oder deduktive Beweisführung erkennbar, sondern immer mittels Erfahrung.

Anders formuliert: Es liegt nicht logisch im Begriff einer bestimmten Ursache, dass sie eine bestimmte Wirkung zur Folge hat. So liegt es beispielsweise nicht im Begriff des Feuers, dass es eine Verbrennung verursachen kann. Dass Feuer heiß ist und Wasser zum Kochen bringen kann, ist nicht eine Frage der Logik, sondern eine Frage der Erfahrung.

(2) Egal wie häufig wir in der Vergangenheit beobachtet haben, dass eine Ursache A eine bestimmte Wirkung B hat, so folgt dadurch rein logisch noch nicht, dass A auch künftig immer die Wirkung B haben wird.

Egal wie häufig wir es erlebt haben, dass Feuer Wasser zum Kochen bringt, es gibt keinen logischen Grund anzunehmen, dass es auch künftig so geschehen wird.

(3) Der einzige Grund, warum wir auf der Basis vergangener Beobachtungen daran glauben, dass die Ursache A immer die Wirkung B haben wird, besteht darin, dass wir daran gewöhnt sind. Es ist schlicht die Gewohnheit, die uns glauben lässt, Feuer würde immer Wasser zum Kochen bringen. Und das ist eher ein psychologischer, als ein streng logischer Grund.

(4) Je mehr wir daran gewöhnt sind, dass nach A die Wirkung B hat, umso mehr glauben wir irrigerweise, dass auf A die Wirkung B aufgrund logisch-rationaler Gründe folgt. Die Gewohnheit wird so stark, dass wir es uns nicht anders vorstellen können. Wir meinen schließlich, dass Feuer notwendigerweise Wasser zum Kochen bringen würde. Das ist aber eine Täuschung.

Fazit: Letztlich kommt Hume zu dem Schluss, dass Kausalität kein Konzept ist, das wir direkt der sinnlichen Erfahrung entnehmen können, sondern ein Produkt unserer Einbildungskraft ist. Kausalität ist eine Fiktion. Wir phantasieren sie gewissermaßen in die Welt hinein. So machen wir sie uns schlüssig bzw. verstehbar. Hume formuliert es so:

„Die Eindrücke oder Vorstellungen der Erinnerung nun vereinigen wir zu einer Art von System, das alles umfaßt, von dem uns unsere Erinnerung sagt, daß es uns einmal, sei es als innere Perzeption, sei es als Sinneseindruck, gegenwärtig war; und alles, was diesem System angehört, zusammen mit den jetzt in uns gegenwärtigen Eindrücken, belieben wir als ‚Wirklichkeit‘ zu bezeichnen. Dabei bleibt unser Geist indessen nicht stehen. Mit diesem System von Perzeptionen sind durch die Gewohnheit oder, was dasselbe sagt, durch die Beziehung von Ursache und Wirkung anderweitige Vorstellungen verknüpft. Vermöge dieser Verknüpfung wendet der Geist dann auch diesen letzteren seine Tätigkeit zu; und da er dabei inne wird, daß für ihn deine Art Notwendigkeit besteht, gerade diesen Vorstellungen sich zuzuwenden, daß die Gewohnheit oder die kausale Beziehung, die ihn dazu zwingt, jede Veränderung ausschließt, so faßt er diese Vorstellungen in ein neues System zusammen, das er gleichfalls mit dem Namen ‚Wirklichkeit‘ beehrt.“

Auf diese Weise ist Kausalität, obzwar fiktiv, eine wichtige Voraussetzung dafür, dass wir überhaupt an eine äußere, von uns unabhängigen Realität glauben. Und dies verweist bereits im Ansatz an die Philosophie Kants. Allerdings wird Kant nicht Humes psychologischer Argumentation folgen, Kausalität würde nur auf Gewohnheit beruhen. Er wird noch dem alten Wissenschaftsmodell anhängen, dem gemäß Naturgesetze unumstößliche, notwendige Wahrheiten zu sein haben.

[1] Siehe THN-I 2.6, S. 86 ff..

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