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Schelling

27. August 2026/0 Kommentare/in III. Das cartesische Projekt, III.08 Schelling/von peterreins

Friedrich Wilhelm Joseph Schelling wurde 1775 in Leonberg geboren und starb 1854 in St. Gallen.

Sein Vater war Pfarrer und Orientalist. Schelling galt früh als hochbegabt und studierte ab 1790 im Tübinger Stift zusammen mit Hegel und Hölderlin, wo er sich intensiv mit Kant beschäftigte und stark an der Französischen Revolution interessierte. Obwohl er mit seinen Gedanken zur Naturphilosophie von Anfang an eigene Akzente setzte, wurde er stark von Fichte beeinflusst. Hegel war sein philosophischer Weggefährte, der lange in Schellings Schatten stand. 1798 wurde Schelling als außerordentlicher Professor nach Jena berufen, wo er mit den Frühromantikern, insbesondere Schlegel und Novalis, in engen Austausch trat. Wie vor ihm Fichte war nun Schelling ein philosophischer Star. 1803 wechselte er an die neu gegründete Universität Würzburg, wo sich sein Bruch mit Fichte und zunehmend auch mit Hegel abzeichnete. Anschließend lebte er unter anderem in München, Bamberg und Stuttgart und war zeitweise in die Organisation der bayerischen Akademie- und Universitätslandschaft eingebunden. 1809 erschien die sogenannte Freiheitsschrift, die eine neue Phase seiner Philosophie einleitete; in den folgenden Jahrzehnten arbeitete er an seiner Spätphilosophie (u. a. „positive Philosophie“, Philosophie der Offenbarung), die er ab 1841 als ordentlicher Professor in Berlin vortrug, der junge Kierkegaard und Engels gehörten zu seinen Hörern. In den letzten Lebensjahren zog sich Schelling zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück; er starb 1854 während eines Kuraufenthalts in der Schweiz.

Ich zitiere nachfolgend vorwiegend aus

  • Schelling, Friedrich Wilhelm Joseph: Ausgewählte Schriften in 6 Bänden, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1985. Kurz: AS.

Diese Ausgabe basiert auf:

  • Schelling, Friedrich Wilhelm Joseph: Sämmtliche Werke, herausgegeben von K.F.A Schelling, Stuttgart/Augsburg 1856-1861. Kurz SW.

Wichtige frühe Werke Schellings, die Fichtes Wissenschaftslehre nahestehen

  • Über die Möglichkeit einer Form der Philosophie überhaupt (1794), kurz: Form-Schrift,
  • Vom Ich als Prinzip der Philosophie oder über das Unbedingte im menschlichen Wissen (1795/1796), kurz: Ich-Schrift.
  • Abhandlungen zur Erläuterung des Idealismus der Wissenschaftslehre (1796/97), kurz: Abhandlungen.
  • System des transzendentalen Idealismus (1800), kurz STI.

Wichtige Werke Schellings zur Naturphilosophie

  • Ideen zu einer Philosophie der Natur (1797), nachfolgend kurz Ideen
  • Von der Weltseele. Eine Hypothese der höheren Physik zur Erklärung des allgemeinen Organismus (1798), nachfolgend kurz Von der Weltseele
  • Erster Entwurf eins Systems der Naturphilosophie (1799), AS I S. 317-336, nachfolgend kurz Erster Entwurf.
  • Einleitung zu dem Entwurf eines Systems der Naturphilosophie (1799), AS I S. 337-394, nachfolgend kurz Einleitung.
  • Über den wahren Begriff der Naturphilosophie und die richtige Art, ihre Probleme aufzulösen (1801),

Wichtige Werke aus Schellings mittlerer Periode

  • Darstellung meines Systems der Philosophie (1801).​
  • Bruno oder über das göttliche und natürliche Prinzip der Dinge (1802).​
  • Philosophie und Religion (1804).
  • System der gesamten Philosophie und der Naturphilosophie (Nachlassschrift, 1804 verfasst, später veröffentlicht).​
  • Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit und die damit zusammenhängenden Gegenstände (1809), kurz Freiheitsschrift.

Wichtige Spätwerke Schellings

  • Philosophie der Mythologie oder Darstellung der reinrationalen Philosophie (1847-52)
  • Einleitung in die Philosophie der Offenbarung oder Begründung der positiven Philosophie (1842/43)

Schellings Beziehung zu Fichte

Ein paar Monate, nachdem Fichte seine Schrift Begriff der Wissenschaftslehre 1794 veröffentlicht hat, erscheint Schellings Erstlingsschrift Über die Möglichkeit einer Form der Philosophie überhaupt (kurz: Form-Schrift). Ein Exemplar davon schickt Schelling an Fichte. Kurz danach veröffentlicht Fichte den ersten und zweiten Teil der Grundlagen der gesammten Wissenschaftslehre (GWL), wovon Fichte ein Exemplar an Schelling schickt. Wenige Monate später erscheint Schellings Schrift Vom Ich als Prinzip der Philosophie (kurz: Ich-Schrift). Anschließend stehen Fichte und Schelling etwa zehn Jahre lang in einem ständigen philosophischen Austausch, entweder brieflich oder im persönlichen Gespräch.

Dass Schelling stark durch Fichte beeinflusst ist, steht außer Zweifel. Beispielsweise finden sich in Schellings Hauptwerk seiner frühen Periode, dem System des transzendentalen Idealismus (kurz System), trotz aller Unterschiede, sehr viele Ähnlichkeiten zu Fichtes Wissenschaftslehre.

Andererseits ist der frühe Schelling niemals nur Fichtes höriger Schüler gewesen, sondern hat von Anfang an eigene philosophische Ideen verfolgt, unabhängig von Fichte. Das erkennt man erstens an dem eben erwähnten Frühwerk Schellings System, worin er ein System vorstellt, das in einigen Details durchaus erheblich von Fichtes Philosophie abweicht. Zweitens aber und vor allem an Schellings Beschäftigung mit der sog. „Naturphilosophie“, die im Gegensatz zu Fichtes Philosophieverständnis steht. Schließlich werden sich Fichte und Schelling genau wegen ihrer unterschiedlichen Ansichten zu einer Naturphilosophie verstreiten.

Ich werde in meiner Darstellung von Schellings Philosophie mit seinem System beginnen und Übereinstimmungen, sowie Unterschiede zu Fichte herausarbeiten. Danach werde ich mich mit Schellings Naturphilosophie beschäftigen.

0 0 peterreins peterreins2026-08-27 19:19:512026-08-27 19:19:51Schelling
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