Philosophie Blog
  • Blog
  • Zeittafel
  • Links
  • Biographie
  • Literatur
  • Glossar
  • Click to open the search input field Click to open the search input field Suche
  • Menü Menü
  • Blog
  • Zeittafel
  • Links
  • Biographie
  • Literatur
  • Glossar

STI – Praktische Philosophie

12. Oktober 2026/0 Kommentare/in III. Das cartesische Projekt, III.08 Schelling/von peterreins

Nachfolgend bespreche ich Schellings praktische Philosophie, so wie er sie in seinem System des transzendentalen Idealismus (STI) schildert.

Nachdem Schelling die objektiven Voraussetzungen dafür geklärt hat, dass es überhaupt ein freies Wollen geben kann, besteht nun die Aufgabe darin, das Ich so zu konstruieren, dass es sich seines freien Wollens bewusst ist[1]. Dazu muss nach Schelling der freie Wille in irgendeiner Form zum Objekt werden, wobei er drei Fälle unterscheidet:

1) Der freie Wille wird zum Objekt in der äußeren Welt: Naturtrieb und Streben nach Glückseligkeit (Ich12)

2) Der freie Wille wird als reine Vernunft zum bloß subjektiven Objekt: kategorischer Imperativ (Ich13)

3) Der freie Wille wird als Willkür sowohl innerlich als auch äußerlich wahrnehmbar. (Ich14)

Entsprechend den drei Arten, in denen sich das Ich des freien Willens bewusst werden kann, gibt es nach Schelling drei unterschiedliche Systeme über die Freiheit.

1) Naturtrieb und eigennütziges Streben nach Glückseligkeit

Im ersten Fall wird Ich12 so konstruiert, dass ihm der freie Wille durch objektive äußere Objekte zum Gegenstand werden soll.

Zunächst beschäftigt sich Schelling mit der Frage, auf welche Weise ein äußeres Objekt Ausdruck des Willens werden kann. Nach Schelling kann das freie Wollen kein neues Objekt der Substanz nach hervorbringen, stattdessen ist es ein Bilden oder Formen, indem die Akzidenzien des Objekts verändert werden. Dabei leistet das Objekt Widerstand, es widersetzt sich der beabsichtigen Änderung.

Dazu braucht das Ich kreative Einbildungskraft. Im Akt des Schaffens befindet sich das Ich in einem „schwebenden Zustand“ zwischen dem Ideal, das das kreative Schaffen leitet, und dem äußeren Objekt. Nach Schelling empfindet das Ich in diesem Zustand seine eigene Beschränktheit, worin es einen inneren Widerspruch fühlt. Es ist der Widerspruch zwischen einem idealisierenden und einem anschauenden Ich.

Zweitens wendet sich Schelling der Frage zu, wie überhaupt etwas aus der Freiheit übergehen kann in die objektive Welt. Wie soll es möglich sein, dass freies Handeln die objektive Welt bestimmt?

Schelling beantwortet diese Frage wie folgt. Die objektive Welt existiert nicht an sich, unabhängig vom Ich, sondern ist Erscheinung im Sinne Kants. Der Gegensatz zwischen anschauenden und handelnden Ich gehört selbst zur Erscheinung des Ichs, nicht zum Ich, wie es an sich ist.

„Das Ich muss sich selbst so erscheinen, als ob in seinem Anschauen […] in der Außenwelt etwas bestimmt wäre durch sein freies Handeln.“[2]

Handeln und Anschauen sind ursprünglich eines. Das Ich schaut an, ist identisch mit: es handelt ursprünglich unbewusst und produziert Objekte der äußeren Welt. Der Punkt ist allerdings, dass das Ich diese Identität nicht erkennen kann. Umgekehrt muss das freie Handeln, das Bestimmungen von äußeren Objekten verändert, gemäß den Gesetzen der produktiven Anschauung geschehen, so als hätte das freie Handeln keine Kausalität auf äußere Dinge.

Daher muss das freie Handeln in der objektiven Welt vermittelt sein durch etwas Materielles, nämlich den organischen Leib, der so erscheint, als könnte er willkürlich durch den freien Willen bewegt werden. Das tut er aber nur scheinbar. Auch mein Bestreben, die Dinge durch meinen freien Willen zu verändern, muss mir objektiv in der Außenwelt so erscheinen, als sei es nicht durch den freien Willen veranlasst. So erscheint mir mein Streben objektiv als Naturtrieb meines Leibes. Außerdem erscheinen meine Willenshandlungen so, dass sie durch die äußeren Dinge Widerstand erfahren. Das erklärt, warum ich nur sukzessive Veränderungen in den Dingen bewirken kann. Insgesamt äußert sich die Freiheit so, dass sie als eine Reihe von Naturphänomenen erscheint, die demnach auch nach Naturgesetzen erklärbar sind, wodurch eigentlich die Freiheit aufgehoben zu sein scheint. Dieser Naturtrieb ist eigennützig und kann auch als Trieb nach Glückseligkeit bezeichnet werden[3].

Letztlich ist Ich12 aber so konstruiert ist, dass nur der Schein der Willensfreiheit besteht. Ich12 glaubt, frei handeln zu können, tut es aber nicht. Indem das freie Wollen objektiv wird, hört es auf, freies Wollen zu sein.  Reflektiere ich auf den objektiven Aspekt, in der das freie Wollen erscheint, so gerät man in einen Widerspruch.

2) Der freie Wille wird sich als reines Ich Gegenstand: der kategorische Imperativ

Dieser Widerspruch wird gelöst, wenn man auf den rein subjektiven Aspekt des freien Willens reflektiert. Dann macht das Ich sich als reines Selbstbewusstsein zum Gegenstand. Dabei soll das empirische Ich von allem Individuellen oder Persönlichen abstrahieren. Zu dieser Abstraktion kann niemand gezwungen werden, jeder kann sie nur in einem Akt absoluter Freiheit eigenständig vollziehen. So ist es ein Sollen bzw. eine Forderung, dass das Ich nichts anderes wollen soll, als das reine Selbstbewusstsein selbst[4]. Schelling meint, dass diese Forderung genau dem entspricht, was Kant den kategorischen Imperativ nennt:

„Du sollst nur wollen, was alle Intelligenzen wollen können.“

Allerdings ist der so verstandene absolute freie Wille kein Teil der Erscheinungswelt.

3) Die Willkür

Erst als Willkür ist der freie Wille sowohl subjektiv gegeben, als auch Teil der Erscheinungswelt. Das Ich wird sich subjektiv seines freien Willens bewusst, indem es sich willkürlich zwischen mehreren möglichen Handlungen entscheidet und insbesondere, indem es sich gegen seinen eigenen Naturtrieb wendet. Die Willkür ist aber auch Teil der Erscheinungswelt, indem anderen meine Wahl als willkürlich erscheint. So ist die sowohl innerlich erlebte, als auch durch andere äußerlich wahrgenommene Willkür die Synthese des objektiven und subjektiven Aspekts des freien Willens[5].

„[D]as Phänomen der Willkür läßt sich nur denken als ein absoluter Wille, der aber unter den Schranken der Endlichkeit erscheint, und ist daher eine immer wiederkehrende Offenbarung des absoluten Willens in uns.“

Ist der freie Wille als Willkür Teil der Erscheinungswelt, dann entsteht das Rechtssystem als System der Freiheit gewissermaßen als zweite Natur über der ersten, materiellen Natur. Darauf aufbauend geht Schelling über zu einer Philosophie des Rechts, zu einer Philosophie der Geschichte, sowie zu einer Philosophie der Religion.

[1] I/3, 557

[2] I/3, 565

[3] I/3, 575

[4] I/3, 573

[5] I/3, 576

0 0 peterreins peterreins2026-10-12 15:48:162026-10-12 15:48:16STI – Praktische Philosophie
0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Suche

Search Search

Dr. Hannes Peterreins

© Dr. Hannes Peterreins – Philosophie-Blog.net

  • Blog
  • Zeittafel
  • Links
  • Biographie
  • Literatur
  • Glossar

Letzten Kommentare

  • peterreins zu STI – Dritte Epoche der theoret. Philosophie: Begriff und transz. Abstraktion
  • Thinking zu STI – Dritte Epoche der theoret. Philosophie: Begriff und transz. Abstraktion
  • Thinking zu Grundlage der praktischen Philosophie

Kategorien

  • Buchbesprechungen
  • Exkurs: Haidt – Die Macht der Moral
  • Exkurse
  • I. Antike Philosophie und Mathematik
  • I.1 Einleitung
  • I.2 Entdeckung des mathematischen Beweises
  • I.3 Merkmale antike Mathematik
  • I.4 Antike Philosophie
  • I.4.1 Vorsokratiker
  • I.4.2 Platon
  • I.4.3 Aristoteles
  • I.4.4 Epikur, Stoa, Hellenismus, etc.
  • I.5 Rational-logisches Weltbild der Antike
  • II. Wissenschaftl. Revolution d. Neuzeit
  • II.01 Einleitung
  • II.02 Wissenschaft vor d. Revolution
  • II.03 Mathematisierung der Welt
  • II.04 Empirismus
  • II.05 Neuzeitliche Astronomie
  • II.06 Neuzeitliche Physik
  • II.07 Vervollkommnung der Mechanik
  • II.08 Philosophie: Herrin oder Dienerin der Wissenschaft?
  • II.09 Siegeszug des wissenschaftlichen Weltbildes
  • II.10 Wie die Naturwissenschaft hypothetisch wurde
  • II.11 Hypothetisch-empirische Naturwissenschaft
  • III. Das cartesische Projekt
  • III.01 Einleitung
  • III.02 Descartes
  • III.03 Spinoza
  • III.04 Leibniz
  • III.05 Empiristen (18. Jh.)
  • III.06 Kant
  • III.07 Fichte
  • III.08 Schelling
© Dr. Hannes Peterreins - Philosophie-Blog.net - Enfold Theme by Kriesi
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung
Link to: STI – Überleitung zur praktischen Philosophie Link to: STI – Überleitung zur praktischen Philosophie STI – Überleitung zur praktischen Philosophie
Nach oben scrollen