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STI – System der theoretischen Philosophie

12. September 2026/0 Kommentare/in III. Das cartesische Projekt, III.08 Schelling/von peterreins

Nachfolgend bespreche ich den dritten Hauptabschnitt von Schellings System des transzendentalen Idealismus (STI).

Wie gesagt wird Ich4 so konstruiert, dass es aus zwei Tätigkeiten des Ich besteht:

  1. aus einer sich selbst sich selbst beschränkenden, ideellen Tätigkeit, die die Schranke erst setzt;
  2. aus einer ins Unendliche strebenden, jede Schranke überschreitenden reellen Tätigkeit, denn durch das Ankämpfen gegen die Schranke wird sie erst reell.

Diese Konstruktion soll ein an sich bestehendes, metaphysisches Ich nachahmen und auf diese Weise eine Erkenntnis über die Bedingung der Möglichkeit von Bewusstsein überhaupt sein.

Dies bestimmt Schelling in drei Punkten näher.

(1) Durch diese beiden Tätigkeiten wird ein „Außen“ und ein „Innen“ definiert[1]:

„Das Ich hat die Tendenz das Unendliche zu produciren, diese Richtung muß gedacht werden als nach außen (als centrifugal), aber sie ist als solche nicht unterscheidbar, ohne eine nach innen auf das Ich als Mittelpunkt zurückgehende Thätigkeit. Jene nach außen gehende, ihrer Natur nach unendliche [reelle] Thätigkeit ist das Objektive im Ich, diese auf das Ich zurückgehende ist nichts anderes als das Streben sich in jener Unendlichkeit selbst anzuschauen [also ideell]. So trennt sich Inneres und Aeußeres im Ich, mit dieser Trennung ist ein Widerspruch im Ich gesetzt […]“ [meine Einfügungen]

Die beiden Tätigkeiten würden sich vor allem durch ihre Richtung entgegengesetzt sein, dadurch aber einen Streit bzw. einen Widerspruch im Ich generieren.

(2) Dieser Streit muss ein unendlicher sein, und zwar in Form einer unendlichen Reihe von Handlungen[2].

(3) Die sich widersprechenden Tätigkeiten würden sich gegenseitig vernichten, wenn es im Ich nicht ein Drittes gäbe, das diesen Widerspruch aufrecht erhielte. Durch einen absoluten Akt des Selbstbewusstsein, so meint Schelling, werden die beiden antithetischen Tätigkeiten zu einer beide umfassenden Synthesis vereinigt. Auf diese Weise muss es eine Handlung geben, die die unendliche Reihe von Handlungen enthält. Dieser eine Akt würde zwischen der reellen und der ideellen Tätigkeit „schweben“, ein Ausdruck, der an Fichtes Einbildungskraft erinnert[3].

Überleitung zur theoretischen Philosophie

Die Erscheinungswelt wird zu einer „harten“ Realität erst dadurch, dass das (praktische, reelle) Ich dagegen ankämpft bzw. darüber hinausstrebt. Ohne dieses Darüber-Hinaus-Streben hätte die Erscheinungswelt den Charakter einer bloßen ideellen Traumwelt, die die Einbildungskraft selbst hervorbringt. Aber auch wenn es sich um eine selbst erzeugte Traumwelt handelt, ist noch zu erklären, wie genau das (ideelle) Ich eine solche Traumwelt schafft. Dies zu erklären ist die Aufgabe der theoretischen Philosophie. Diese Aufgabe könnte man auch so beschreiben: zu erklären, wie es einer eigentlich unendlichen Tätigkeit des Ich gelingt, sich selbst zu beschränken.

„Die ganze theoretische Philosophie hat […] nur dieses Problem zu lösen, wie die Schranke ideell, oder, wie auch die ideelle (anschauende) Thätigkeit begrenzt werde.“[4]

Das Selbstbewusstsein ist ein unendlicher Widerstreit, der eine Unendlichkeit von Handlungen umfasst und gewissermaßen die Geschichte des Ichs darstellt. Diese unendliche Geschichte in all ihren Details wissenschaftlich zu verstehen, wäre eine unendliche, und daher nicht zu bewältigende Aufgabe. Daher beschränkt sich die Philosophie auf die Meilensteine innerhalb dieser unendlichen Geschichte des Ich, die Schelling auch „Epochen“ nennt:

„Die Philosophie ist also eine Geschichte des Selbstbewußtseyns, die verschiedene Epochen hat, und durch welche jene Eine absolute Syntheses successiv zusammengesetzt wird.“[5]

Genau genommen gliedert Schelling diese Selbstentfaltung des Ich in drei Epochen:

  1. Empfindung / empfindendes Ich versus empfundenes Ding / produktive Anschauung
  2. Intelligenz
  3. Begriff und transzendentale Abstraktion.

In den nächsten drei Beiträgen bespreche ich jede dieser Epochen für sich.

[1] I/3 391

[2] I/3, 393

[3] I/3, 393 f.

[4] I/3, 414

[5] I/3, 399

0 0 peterreins peterreins2026-09-12 09:35:442026-09-12 09:35:44STI – System der theoretischen Philosophie
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